Zur Kritik der Kritik fundamentaler Systemkritik
Ein Versuch, die Auseinandersetzung um „Verschwörungstheorien“ auf eine gewisse sachliche - und psycho-logische -
Grundlage zu stellen.
Wahrheits- und Entscheidungsfindung ist in unserer Gesellschaft, in den dafür zuständigen Institutionen Wissenschaft, Publizistik, Legislative, Exekutive und Rechtsprechung zu einem gewissen Grade sachfremden Einflüssen unterworfen.
Dies wären etwa:
> intransparente Einflüsse in- und ausländischer Geheimdienste,
> Lobbyismus verschiedener Industriebranchen und Kartelle,
> intrigante Machtpolitik elitärer Netzwerke und Familienclans,
> strategische Einflussnahme ideologisch motivierter Gruppierungen (trotzkistische Marxisten, Marktfundamentalisten, Transhumanisten),
> Eigendynamiken bürokratischer Institutionen und privilegierter Hierarchien,
> Korruption, Korrumpierbarkeit, menschliche Schwäche von Führungspersonen
> und (nicht zuletzt) Unwissenheit, Trägheit, Schlendrian…
Die Einschätzung, wie hoch der Grad solcher sachfremden Einflüsse insgesamt ist - und welcher Art diese vorwiegend im Einzelnen sind - teilt unser Staatsvolk in verschiedene Lager, deren extreme Pole plakativ (und pejorativ) „Gutmenschen“ und „Verschwörungstheoretiker“ genannt werden. Im entwertenden Unterton unterstellen diese Bezeichnungen dem jeweiligen Gegner menschliche Unreife: Die einen würden zur Naivität neigen, die anderen zur Paranoia.
Zu diesem Themenkomplex möchte ich feststellen:
A) Eine grundlegende Unvollkommenheit unseres Urteilsvermögens in Bezug auf komplexe aktuelle gesellschaftspolitische Problemlagen halte ich für unabänderlich, da wir alle in unserem Wissenserwerb auf vermittelnde Quellen zurückgreifen müssen und das wenigste direkt aus erster Hand beurteilen können.
B) Darüber hinaus gibt es in der Tat allerdings unreife Formen der Urteilsbildung, die durch entsprechende Selbsterziehung aufgrund konstruktiver Kritik nachreifend überwunden werden könnten, die aber bei anders Denkenden oft den Impuls auslösen, diejenigen, die sich ihrer befleißigen, aus dem Diskurs auszuschließen, weil deren Nachreifung für nicht gewünscht oder nicht möglich gehalten wird.
C) Dieses Phänomen findet sich allerdings, so möchte ich betonen, an beiden Enden (und im gesamten Spektrum)
der oben beschriebenen Polarität.
Für mich selbst stelle ich fest, dass ich mich in der Tat für das Lager der „Verschwörungstheoretiker“ qualifiziere, weil ich mittlerweile zu der Einschätzung gekommen bin, dass dem Handeln der global einflussreichsten Führungskräfte - also Spitzenpolitiker(innen), Topmanager („Wirtschaftskapitäne“), akademischen „Eminenzen“, Medienmogule und Leitfiguren globaler „Think Tanks“ - in den letzten Jahrzehnten in der westlichen Welt keineswegs das Motiv zugrunde liegt, für die Menschheitsprobleme wirklich optimale Lösungen zu erarbeiten, sondern entweder eine rücksichtslose Verfolgung von Partialinteressen oder die Verfolgung ideologisch motivierter Optimierungs-Agenden.
Ich glaube, erstens gute sachliche Gründe für eine solche Einschätzung zu haben und zweitens die psycho-neurotischen Anteile derselben einigermaßen gut reflektierend herausfiltern zu können. In einer Hinsicht aber wird eine solche Einschätzung zweifellos zu einem Handicap für gesellschaftspolitisches Engagement, nämlich insofern, als sie zwangsläufig zur Resignation aller Bemühungen führt - in Folge des Aufgebens aller entsprechenden Hoffnungen -, durch meine Aktivität irgend etwas zu grundlegendem gesellschaftlichen Wandel
beitragen zu können.
Zugleich aber ist die Flamme meiner leidenschaftlichen Begeisterung für die Fähigkeit von uns Menschen, zumindest der gewissenhaftesten und begabtesten unter uns, gute, gerechte, produktive, sinnvolle Problemdiagnosen und Problemlösungen zu entwickeln [kurzum: meine Begeisterung für die menschliche wie für die kosmische schöpferische Intelligenz] durch entsprechende Erlebnisse und Berichte immer wieder entfachbar. Dann tue ich wieder, mal hier mal dort, mal klein, mal groß, Schritte zur Beteiligung an der einen oder anderen Problemlösung, die aber, wie mir heute in neuer Klarheit bewusst wird, aus oben genannten Gründen unter folgendem Vorbehalt
stehen müssen:
„So, liebe Mitmenschen, könnten wir es machen, wenn eines Tages durch irgend ein Wunder ein wirklicher Wille bei den real einflussreichen Entscheidungsträgern entstünde, etwas zum Guten für die gesamte Menschheit - und für die Erde - zu verändern. So lange dies nicht so ist, müssen wir mit (exemplarischen) Veränderungen in denjenigen thematischen oder regionalen Segmenten unserer Gesellschaft vorlieb nehmen, in deren Führungsspitzen ein solcher Wille gleichwohl besteht.“
Husum, den 25. Mai 2020,
Peter Berner