Eine Wende zur Wahrhaftigkeit in unserem Gemeinwesen.
Ein persönliches Grundsatzprogramm.
Peter Berner, Husum, im März 2011.
Meine politische Vision.
Das Wort ‚Politik’ bedeutet für die einen so etwas wie die Leitung oder auch nur die Mitgestaltung einer Gesellschaft, für andere wiederum so etwas wie eine revolutionäre oder evolutionäre Gesellschaftsveränderung. Meine Vision berührt alle diese Bedeutungsebenen.
Ich bin mit wesentlichen Aspekten unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht zufrieden und träume von einem Veränderungsprozess hin zu einer besseren Welt. Wir Menschen haben großartige Möglichkeiten, ein glückliches Leben und ein gutes Miteinander zu gestalten und erschaffen uns eine oft niederschmetternde Wirklichkeit. In meinem Beruf helfe ich Menschen, ihre besten Möglichkeiten in ihrer individuellen Lebensführung zu verwirklichen. Ich gehöre zu einem Kreis von Freund(inn)en und Kolleg(inn)en, welche Menschen helfen, die besten Möglichkeiten in der Gestaltung von Organisationen zu verwirklichen. Beides ist möglich und, wenn es geschieht, sehr befriedigend. Daraus erwächst meine Vision davon, wie wir als gesamte Gesellschaft beginnen, unsere besten und nicht mehr – wie heute vielfach – unsere schlechtesten Möglichkeiten zu verwirklichen.
Diesem Bild zufolge wandelt sich die politische Kultur so, dass unter uns Menschen ein Qualitätsbewusstsein für Wahrheitssuche, für Kommunikation und schließlich für die Kunst der optimalen Leitung eines Gemeinwesens wächst, vor dessen Hintergrund Verhaltensweisen, die auf die Erschaffung minderer Qualität hinauslaufen, keine Chance mehr haben, sich dauerhaft festzusetzen. Stattdessen wird die Kunst, ein Gemeinwesen zu leiten, allerorten gekannt, kultiviert und honoriert. Diese Kunst besteht darin, ein lebensförderndes Klima zu schaffen, in welchem sich Selbstregulationsprozesse optimal entfalten können (und hat insofern viel mit Heilkunde gemeinsam). Dort, wo sie ausgeübt wird, ist sie spürbar und wirkt befreiend. Die Menschen, die ihr Wirken gespürt haben, sind mit der minderen Qualität, die heute noch als normal gilt (und die Betrug und Gewalt Tür und Tor öffnet) nicht mehr zufrieden und werden einen solchen ,Pfusch‘ nicht mehr dulden. Die Regelung gemeinschaftlicher Angelegenheiten wird zu einer kreativen Aufgabe, die Freude macht und anhaltend praktiziert wird, so dass der Himmel auf Erden mehr und mehr Gestalt annimmt.
Für eine Umkehrung der herrschenden Wahrheitsverdrehung.
Auch wenn wirtschaftliche und politische Zusammenhänge im Einzelnen sehr komplex sind, gibt es meines Erachtens grundlegende Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft, deren Korrektur bereits eine spürbare Wende zum Guten bewirken würde. Eine der wichtigsten dieser Fehlentwicklungen ist meiner Ansicht nach eine alles durchdringende Tendenz zur Verdrehung einiger relativ einfacher Wahrheiten in der öffentlichen Berichterstattung und Debatte. Zum Beispiel die folgenden.
Es gibt von Menschen geschaffene, vergängliche Güter. Diese persönlich zu besitzen und auf Märkten zu tauschen ist eine sinnvolle Sache. Doch dann gibt es noch Güter, die nach menschlichem Maßstab unvergänglich sind: die Erde selbst und ihre Bodenschätze, aber auch Artefakte und Wissensbestände, die die Gemeinschaft unserer Vorfahren in langen Wirkketten hervorgebracht hat. Diese gehören der Gemeinschaft aller Menschen und werden es immer tun; sie können von Einzelnen oder einzelnen Gruppen nur treuhänderisch für das Ganze – auf Zeit – verwaltet werden. Wer, diese Gesetze missachtend, Teile der Allmende zur privaten Verfügung okkupiert, begeht Frevel an Gottheit und Menschheit (oder Menschlichkeit). Er versucht, sich an der unendlichen Freigiebigkeit von Vater Himmel und Mutter Erde privat zu bereichern und begeht damit einen Vergewaltigungsakt. Er weitet sein Ego, das in bestimmten Lebensbereichen einen guten und wichtigen Sinn hat, aus in jene Bereiche, wo wir dazu bestimmt sind, uns von Höherem ergreifen zu lassen und über dieses Ego hinaus zu wachsen. Damit nährt er Ungesundheit und Unfrieden.
In unserer heutigen Kultur nun wird solches Handeln noch allzu oft nicht nur gebilligt, sondern sogar bewundert. Das aber ist genau die Haltung, die wir umzukehren haben. Verfehlungen müssen als das erkannt werden, was sie sind und geächtet werden – was bedeutet, eine Lebensweise zu entwickeln, welche die fehlgeleitet Handelnden ihres heute oft noch großen Einflusses beraubt und sie in ein gesellschaftliches Abseits stellt, aus dem heraus sie sich eines Besseren besinnen könnten, so sie es denn wollten, in dem sie auf jeden Fall aber (ob sie sich nun ändern wollen oder nicht) keinen Schaden mehr anrichten können.
Damit wir die Kraft haben, dies zu tun, brauchen wir es, fest gegründet zu sein in der Verbindung zur (Welt-)Seele, zur alles durchdringenden heiligen Weisheit, zu jener Energie, die die sichtbare und die unsichtbare Welt miteinander verknüpft, wie sie sich etwa im niemals endenden Liebesspiel zwischen Himmel und Erde ausdrückt, aus dem wir hervorgehen und in dem wir wieder aufgehen. So erhalten wir uns unser tief empfundenes Bewusstsein für Unrecht und Recht (für „das moralische Gesetz in mir“, wie Herr Kant vor zweihundert Jahren sagte).
Diese Verbindung zur universellen, göttlichen Liebe wird oft dadurch verstellt, dass unsere persönlichen Vorfahren, Eltern und Lehrer, statt uns diese Liebe durch ihre Existenz zu vermitteln, diese aufgrund eigener Verletzungen, Schatten und Grenzen eher verzerren und verdunkeln. In diesen Fällen benötigen wir die Fähigkeit, durch die oft schmerzhaften Erfahrungen, welche jene uns beschert haben, hindurch auf das eigentlich Gemeinte zu schauen. Dazu müssen wir in der Lage sein, diese Erfahrungen auszuhalten – und etwas Übung darin haben, diese Essenz zu erspüren.
Meine Aufgabe sehe ich darin, Ihnen ein Begleiter und Scout auf diesen Wegen zu sein.
Foto: Kerstin Bahra